Suche
  • Anja Marwitz

Tag 4 Around Norway

Into the Fjord

Begeistert steigen wir in unsere trockengeföhnten Klamotten, die völlig versifften Radhosen waren gestern mit uns unter der Dusche, und schon fühlt man sich wie neugeboren! Dazu eine doppelte Ladung Eiskaffee im nächsten Supermarkt, und dann kämpfen wir uns weiter auf und ab durch die grandiose Fjordlandschaft.

Blaues Wasser, blauer Himmel - bis auf eine unscheinbare Wolke, wegen der ich aber lieber die Regenjacke an lasse (zu Recht, wie sich 3 Minuten später rausstellen sollte!)

Sobald man denkt, Ach, jetzt könnte ich die Regenklamotten vielleicht so langsam ausziehen…, kommt die nächste Regenfront daher. Egal, die Straßen sind so gut wie leer, astrein geteert, und hinter jeder Kurve lockt wieder eine herrliche Szenerie. Als ob man durch ein ganzes Postkartenbuch fahren würde!


Nach dem obligatorischen Kafe+Kanelboller (Zimtschnecke) in einem urigen Gasthaus beginnt der endlose Anstieg zum Lysefjell.


Letzte Rast vor dem Lysefjll (wir hätten einfach da bleiben sollen!) ;-)

Wir sind guter Dinge, dank ausreichender Zucker- und Koffeinzufuhr sowie sich durchsetzender Sonne. Am Lysefjell gibt es eine Besonderheit: Die Strecke führt von der Hauptstrecke weg, über’s Fjell (Hochebene) und dann richtig runter nach Lysebotn – und das Ganze wieder Retour! Als wir an der Kreuzung stehen, denken wir uns so, Na jaaa, 30 km hin und rück, dann schön hier oben direkt auf den Campingplatz, kein Problem, mal eben 1000 Höhenmeter, dat kriegen wir heute noch locker weggefahren… Also Taschen, Zelt, Schlafsack vom Rad gepackt und im Wald verscharrt, danach fühlt es sich an, als ob wir das Fjell hochfliegen!



Doch dann, am höchsten Punkt, auf fast 1000 müNN (und unweit vom Polarkreis!) tauchen wir plötzlich in eine schwarze Wolkenwand ein. Sekunden später finden wir uns in einem Regen-& Hagelsturm der allerfeinsten Sorte wieder. Und das quasi direkt und ungebremst von der Nordsee auf uns prallend und oberhalb der Baumgrenze. Christian verflucht, seine Winterhandschuhe im Wald gelassen zu haben, ich verfluche, meine wasserdichten Überschuhe im Wald gelassen zu haben. Auf halber Strecke treffen wir Adrien, der verflucht, gar nix im Wald gelassen zu haben und seinen ganzen Kram einmal komplett hoch- und runterschleppt. Nach einigen kurzen gegenseitigen Mitleidsbekundungen fahren alle schnell weiter, denn es ist ar…kalt!


Super-Anja im Kampf gegen Lysefjell!

-1 Grad zeigt mein Fahrradcomputer. Dazu Sturmböen und dann noch der Fahrtwind in der nun kommenden Abfahrt. Zu allem Überfluss versagt Christians Hinterradbremse nun mit dem einsetzenden Regen. Mit völlig klammen Fingern muss er das Ding wechseln, denn nun geht es in Serpentinen wie gemalt auf Meereshöhe runter. Steil. Also direkt zum Meer. Fjord halt :-)


Am höchsten Punkt des Fjells geraten wir in eine schöne schwarze Wolke mit allem Drum und Dran...

Es klart ein wenig auf uns so können wir trotz eingefrorener Hände und Füße die Abfahrt und den grandiosen Blick doch noch etwas genießen!


Lysebotn. Manchmal ist runterfahren schlimmer als hochfahren...

Unten angekommen retten wir uns direkt in eins von 2 Hotels/Gasthäusern (Lysebotn hat ganze 13 (!) Einwohner…). Nachdem wir unsere Pfoten direkt unter’m Heißwasserhahn wieder aufgetaut haben und uns eine einfach himmlische (weil heiße) Instantbrühe für 5 Euro reingezogen haben (wir hätten auch das Doppelte bezahlt…), beratschlagen wir, was zu tun ist. Wir sind beide alles andere als heiß darauf, nochmal durch dieses fieses Regen/Sturm-Gemisch zu fahren, denn allmählich wird es auch noch dunkel… Doch hier im Hotel sind alle Zimmer ausgebucht. Ich drücke beide Daumen, als Christian gegenüber fragt…wir haben Glück! Das letzte Zimmer! Schlappe 100 Euro für einen winzigen Raum mit 2 schmalen Betten und Einweg-Jugendherbergsbettwäsche… Egal, Hauptsache Heizung und warme Dusche! Da fast alle unsere Klamotten ohne uns im Wald warten und ich soooo kalte Füße habe, erstehe ich noch kurz für 25 Euro ein dickes Paar Norwegersocken, für das bestimmt 2 ausgewachsene Schafe ihre Wolle lassen mussten. Diese sind zwar alles andere als ultraleicht (wiegen ungefähr so viel wie unser Zelt…) aber dafür ultrawarm :-) Von nun an sollte ich mich jeden Abend zu diesem grandiosen Kauf beglückwünschen…


Wenn alles andere klitschnass ist, trägt man(n) Einweg-Bettwäsche :-D

Nachdem wir jeden Winkel des Zimmers mit unseren nassen Klamotten ausgehängt haben, geht es früh (23 Uhr…) ins Bett, denn trotz allem war das heute mit „nur“ 190 km eine eigentlich (zu) kurze Etappe. Aber immerhin haben sich die Griechen im Hotel gegenüber eingenistet und sind auch nicht mehr weiter gefahren, somit ist vorerst alles in Ordnung, was unseren Ehrgeiz betrifft. Der Wecker wird auf 4:30 Uhr gestellt…


Trügerische Idylle VOR der Abzweigung zum Lysefjord...

36 Ansichten

©2019 by wildwildwheels. Proudly created with Wix.com