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  • Anja Marwitz

Tag 3 Around Norway

Gyros in den Oberschenkeln

Nachdem Christian sich schlechtgelaunt und von Mücken zerstochen aus seiner Plane gewickelt hat, geht es munter weiter bergauf und bergab. Wald, See, See, Wald. Allmählich regnet es sich ein. Ich trage nun Neoprensocken unter meinen Schuhen und darüber Überschuhe, so geht’s einigermaßen. Allerdings schrumpeln meine Füße darin langsam zu Schwimmhäuten. Meine schönen superstabilen Carbonsohlen drücken wie verrückt und das Treten wird allmählich zur Qual.


Nach 2 Stunden ist endlich ein Dorf erreicht und wir schmieren uns fröstelnd Käsebaguettes vorm Supermarkt. Die Griechen sind natürlich auch schon da, klar. Da lässt es sich natürlich nur halb so entspannt Pause machen, wenn die direkte Konkurrenz sich schon wieder in den Sattel schwingt und zu den Klängen irgendwelcher griechischen Volksliedern in die Pedale tritt!


Ich lade mir noch schnell Rammstein runter, dann geht es in den nächsten Berg. Wenn zwischenzeitlich mal die Sonne rauskommt, wird man direkt bei 30 Grad gegrillt. Meistens regnet es aber schon wieder, sobald man die Regenhose mühevoll über die Schuhe gepellt hat. In den weiterhin wundervollen Abfahrten sollte man jedoch immer auf die komplette Hülle zurückgreifen, sonst spürt man schnell seine Beine nicht mehr…


Nach weiterem landschaftlich beeindruckendem Auf und Ab finden wir uns in einer steilen Tunnelumfahrung (über statt durch den Berg) wieder. Inzwischen hat sich leichter Nieselregen durchgesetzt, wir kämpfen uns tapfer vorwärts. Da tauchen plötzlich die Griechen hinter uns auf. Oha, jetzt bloß keine Schwäche zeigen! Christian füttert mich noch schnell mit einem Lion-Schokoriegel an, dann drücken wir auf die Tube. Den griechischen Atem im Nacken, sprinten wir so schnell wir können diesen endlosen Berg hinauf. Zwischendrin lauert wieder Michael mit Kamera und Drone, und da heißt es dann auch noch, trotz aller Anstrengung, bitte recht freundlich, als würden wir so einen Bergsprint ständig und mit Leichtigkeit hinlegen.


Der Spaß beginnt dann, als wir es schließlich geschafft haben, die Konkurrenz abzuschütteln und mit 70 Sachen auf einer breiten Straße ins Tal nach Flekkefjord hinabdonnern, direkt in die vorher ausgemachte Pizzeria. Die Kellnerin guckt zwar etwas überrascht, als wir zu zweit in Nullkommanix eine wagenradgroße Pizza verdrücken und mit Chips und Cola nachspülen, doch danach fühlen wir uns wieder halbwegs hergestellt.


Nun nur noch so 50 km halbwegs flach und dann in die eben reservierte Campingplatzhütte inklusive warmer Dusche! Doch flach? Denkste, ein kleiner Fehler im Höhenprofil treibt uns den Schweiß auf die Stirn, während wir wieder in Serpentinen irgendwelche mordssteilen Fjorde hochschrauben. Aber die Kulisse ist gigantisch! Während ich mich im wieder auffrischenden Gegenwind krampfhaft an Knife festklammer, düsen wir eine abenteuerliche Straße zwischen gigantischen Felsen, spiegelnden Bergseen und völlig abgeschnittenen Fjorddörfchen entlang. Wow, wieder einmal fühlen wir uns in eine völlig andere Welt versetzt!


Spektakulärer Tunnel, aber bei dem Wetter dann doch lieber nicht in der Hängematte...

In einem kleinen Fahrradtunnel kann man sogar Hängematten ausleihen und mit grandioser Aussicht über den Fjord baumeln, doch dafür ist es heute leider viel zu kalt. So sind wir froh, als wir schließlich gegen Mitternacht mit dem letzten Tageslicht auf den Campingplatz einbiegen. Wer sitzt schon vor der Nachbarhütte? Natürlich unsere beiden griechischen Fahrradgötter! Schmunzelnd berichtet die Campingplatzbesitzerin, dass sie noch nie so schnell jemanden 2 Tüten Chips hat verdrücken sehen! Aus Mitleid hat sie ihnen dann auch noch Nudeln gekocht. Haben die ein Glück!


Wir mixen uns noch schnell einen Regenerationsshake mit Schokimilch und drapieren währenddessen sämtliche Klamotten in der ganzen Hütte irgendwie vor dem Heizlüfter. Das große Glück kann so einfach sein!


Mit etwas Geschick kriegen wir fast ALLE Klamotten irgendwie vor den Heizlüfter gehängt.

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