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  • Anja Marwitz

Tag 10 Around Norway

Trolle auf Rädern


Geirangerfjord - ein schönes Ziel für norwegische Straßenbauer :-)

Bevor es früh am nächsten Morgen zum nächsten Fjell hochgeht, schnorren wir noch einen Kaffee beim Campingplatzbesitzer. Doch dann der Schock: Instantplörre! Zum Glück bleibt dieser Frevel uns ansonsten im ganzen Rennen erspart. Schnell rauschen wir Richtung Geirangerfjord davon.


Foxy's Fell ist gut getarnt vor'm Fjell

Standardmäßig wird das nächste Bilderbuch-Fjell durchquert, standardmäßig die nächste herrlichste Serpentinenabfahrt genommen.


Man muss schon aufpassen, nicht von der Straße abzukommen, während man die wahnsinnige Landschaft genießt!

Alles ist perfekt, bis wir in eine Reisebus-Kolonne hineingeraten. Am Aussichtspunkt über den zugegebenermaßen pittoresken Fjord zeigt sich der Ursprung allen Übels: Ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Vollbeladen mit Chinesen, welche sich dann in besagten Reisebussen einmal den Berg hochkutschieren lassen, um ein Foto von dem schönen Ausblick zu machen. So viele Menschen haben wir in den letzten 10 Tagen zusammengenommen nicht gesehen!

Foxy vs. Aida, Kampf der Giganten!

Da es weit und breit erstmal nichts anderes gibt, sind wir dennoch zu einem Stopp im überlaufenen Café gezwungen, schließlich gab es immer noch keinen (vernünftigen) Kaffee. Dort treffen wir einen netten deutschen Radfahrer, der die Strecke entgegengesetzt fährt und schwer beladen unterwegs ist. Angeregt tauschen wir uns über die richtige Bekleidungswahl im Anstieg aus und verbleiben so, dass „oben ohne“ dann doch eher den Herren vorbehalten bleiben sollte (nachher werde ich noch von einem außer Kontrolle geratenen Auto mitgenommen?).


Be my Kanelbolle (Zimtschnecke)!

Nach einem übertrieben teuren Touristen-Kanelbolle (Zimtschnecke) bin ich bereit für ein weiteres übertrieben teures Kabelbolle und dann für den nächsten Anstieg. Herrlicher Ausblick über den Geirangerfjord, und auf dieser Seite ganz ohne Reisebusse! Herrlich! Wir werden fleißig von einigen Motorradfahrern angefeuert, und das, obwohl ich mein Trikot an habe :-)


PERFEKTE Serpentinen, über und unter einem tosenden Wasserfall? WHY NOT? Das ist der fabelhafte TROLLSTIGEN!

Kurze Zeit später nehmen wir nochmal eine kurze Fähre. Das Wartehäuschen ist wieder einmal total einladend, schade, dass wir am Mittag hier sind und nicht übernachten können. So geht es nun in den langgezogenen Anstieg Richtung Trollstigen hoch. Während ich so gedankenverloren vor mich hinkurbel und zum 5. Mal das Rammstein-Album innerlich, und vielleicht auch ein bisschen äußerlich, mitgröhle, werde ich plötzlich durch’s Autofenster angesprochen: „Ey Anja, was machst Du denn hier?“ Öhm, ich? Radfahren? Das ist doch tatsächlich Andrew aus Karlsruhe, den ich vom letzten Jahr Bikepacking Transgermany kenne (und der mir noch einen Kaffee schuldet, nachdem ich seine Windweste gefunden und unter Aufwand enormer Ressourcen einen halben Tag lang hinter ihm hergeschleppt habe!). Er spielt hier Begleitfahrzeug auf einer Rennrad-Radreise, „Die schönsten Pässe Norwegens“ oder so. Die Herrschaften kommen uns auf dem nun folgenden Anstieg dann auch in kurz-kurz fröstelnd entgegen. Aber Andrew hat bestimmt schon die Heizung im Begleitfahrzeug aufgedreht ;-)


Anschnallen! Und ABFAHRT!

Ganz ohne Support geht es nun für uns weiter, und ein weiteres Fjell später ist es endlich so weit: Der berühmt-berüchtigte Trollstigen! Im Grunde genommen wie all die phantastischen Märchen-Abfahrten hier in den Fjorden, nur noch etwas spektakulärer! Man düst quasi auf wie mit dem Lineal gezeichneten Serpentinen immer wieder über einen rauschenden Wasserfall und macht dazwischen 180°-Kehren auf perfektem Asphalt. Immer wieder schön!


Trolle kreuzen!

Als wir irgendwann im Tal eintrudeln, machen sich die anstrengenden Anstiege heute dann doch allmählich in der Form von knurrenden Mägen bemerkbar. In einem Campingplatz-Imbiss ergattern wir eine schöne Pizza und Kaffee für 1,- Euro (alles rein, was geht!). Zufrieden schmieden wir Pläne für den Abend. Noch 70 km, dann hätten wir unser Soll von 230 km/Tag erfüllt. Laut Christians Planung befindet sich dort ein öffentlicher Rastplatz. Klingt gut, doch nur mühsam können wir uns aus den bequemen Polstern lösen und unsere strapazierten Hinterteile wieder auf die Sättel bewegen. Doch die weitere Strecke schlängelt sich durch die goldene Abendsonne und ganz sanftem Auf und Ab um einen See herum. Als wir einen älteren Mann in seiner Garage werkeln sehen, fragen wir nach etwas Öl für die Ketten (unsere Vorräte wurden in den Regengüssen quasi weggeschwemmt) und führen noch eine nette Unterhaltung (zum Thema Öl haben die Norwegen viel beizutragen!). Insgesamt sind die sie jedoch eher kühl und distanziert, wenn dann doch mal jemand fragt, was wir denn hier eigentlich so machen, erscheint unsere Tour eher wie eine nette Spazierfahrt, welche der durchschnittlich hartgesottene Wikinger-Nachfahre als Sonntagstour mit der Familie einplant. Zum Glück bin ich nicht in einem norwegischen Rennradclub, wie soll man da am Stammtisch beeindrucken?


Mitternachtssonnenuntergang am Fjord - unser Zelt steht auf einem handelsüblichen Rastplatz, besser ausgestattet als so mancher Campingplatz. und das Dank Jedermannsrecht völlig legal :-D

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