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  • Anja Marwitz

Tag 0: Prolog Italy Divide

Aktualisiert: 20. Mai 2019

Logistische Herausforderungen oder

"Das letzte Abendmahl" in der Pizzeria

Dieses Bikepacking ist ja zu 50% Logistik (der Rest ist Kopfsache...): Was nimmt man mit (Regenhose?), und vor allem, was nimmt man nicht mit (Überschuhe?). Wann kriegt man was zu Futtern und was heißt "Bitte schnell, ich bin in einem Rennen!" auf Italienisch ("Pronto!")? Wieviele Cappucini kann man trinken, um später nachts auf irgendeiner Wiese nicht beim ersten Rascheln der wühlenden Wildschweinrotte einen Puls von 200 zu haben? Und nicht zuletzt: Wie kommt man zum Start hin und vom Ziel weg? Das Einzige, was klar zu sein scheint, ist der Weg vom Start zum Ziel: FOLLOW THE TRACK!

Doch bevor wir ein paar schöne Tage im Sattel mit der Nase immer über'm GPS-Gerät verbringen können, steht uns folgende Prüfung bevor: Die Räder auseinanderschrauben, samt Packtaschen und unseren ganzen Klamotten in Plastiktüten verstauen, das Ganze morgens um 8 im Bahnhof von Rovereto in den Zug verladen und 6 Stunden später in Neapel wieder alles so zusammenbauen, dass weder Mensch (Nerven!) noch Material (Lack! Schaltung!!) Schaden nehmen...

Zum Glück behält Christian in seiner Rolle als Chefmechaniker die Übersicht, als wir die nähere Umgebung unserer Parzelle auf dem Campingplatz in Arco am Gardasee mit Fahrradteilen, Laufrädern, Taschen, Riegeln, Schlafsäcken und Gedöns auskleiden. In aller Ruhe marschiert er noch zum nächstgelegenen Fahrradladen, um sich ein neues Kettenblatt zu besorgen, denn dieses klingt im Zusammenspiel mit der gerade getauschten Ketten leicht, sagen wir, disharmonisch. Zum Glück gibt es passenden Ersatz und so werden fröhlich 8 große Müllsäcke mit Rädern und Zubehör gefüllt, während wir noch hin und her überlegen, welches Teil noch unbedingt mit muss und was angesichts der Gewichtsoptimierung hier bleiben kann. Nebenbei checkt Anke regelmäßig den Wetterbericht (top!) und die Zugverbindungen (leider auch - Selbst-Sabotage!)

Der erste Teil unseres Abenteuers endet mit 3 fahrbereiten und einigermaßen vernünftig bepackten Rädern auf dem Bahnsteig von Neapel: so weit, so gut! Wesentlich aufregender gestaltet sich dann noch die Fahrt durch die süditalienische Metropole! Die Stimmung gleicht einer Begegnung zwischen Juventus Turin und dem AC Milan nach einem nicht gegebenen Elfmeter im entscheidenden Spiel... Es herrscht Krieg und wir mittendrin! Mühsam schlängeln wir uns durch das Chaos und versuchen, uns unter die Horden von Rollern zu mischen, um irgendwie mit dem Strom zu schwimmen, aber so recht habe ich nicht den Mut, mich in diesem Vollkontaktsport zu beweisen... So kommen wir nicht nur aufgrund der herrschenden 30 Grad ziemlich nassgeschwitzt bei unserer Ferienwohnung mitten im Zentrum an. Nachdem die Räder ihren letzten Schliff bekommen und abfahrtbereit auf dem gewienerten Parkett der schicken Altbauwohnung stehen, geht es zum Sightseeing!

Beeindruckende Bauten und ein toller Blick zum Vesuv, quirliges Treiben, seeeehr leckeres Eis und: überall Müll! Wir fragen uns, was sich seit dem Streik der Müllabfuhr vor einigen Jahren, der bei uns durch die Medien ging, eigentlich geändert haben soll? Jedenfalls sammeln sich Müllberge direkt neben den Prachtbauten der Stadt, liegen Obdachlose in Karton"häusern" unter den eleganten Bögen der ehrwürdigen Häuser, direkt daneben stinkt es erbärmlich. Man bekommt den Eindruck, dass diese schöne Stadt leider total verkommen lassen wird.



Wir bummeln schließlich an der Uferpromenade zur Pizzeria, wo das Treffen aller Fahrer stattfindet. Fröhlich feiern wir das Wiedersehen mit einem riesigen Haufen Fahrern, die wir letztes Jahr in Kirgistan kennengelernt haben. Scheinbar haben nicht nur wir uns nach den harten Entbehrungen beim Silk Road Mountain Race gedacht, dass das nächste Rennen vorallem Folgendes bieten sollte: gutes Wetter und gutes Essen! Beides ist zumindest erstmal vorhanden, und so schwelgen wir bierselig und die Münder randvoll mit Pizza in Erinnerungen ("Boah, war Kirgistan hart!") und Plänen ("Ich hab zwar überhaupt noch nicht trainiert, aber nach dieser kleinen Probefahrt durch Italien fahre ich dieses und jenes wahnsinnige Rennen quer durch Europa!" (wahlweise von Ost nach West, Süd nach Nord oder in ziemlich großen Kreisen, wie wir im Juli durch Norwegen geplant haben...).

Nach einer bestechenden Ansprache von Rennleiter Giacomo "Thank you for being here and have a good race!" verschwinden alle recht pünktlich im Bett, denn ein bisschen Schlaf kann uns angesichts der bevorstehenden Aufgaben sicher nicht schaden...

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