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  • Anja Marwitz

Silk Road Mountain Race Tag 12

Aktualisiert: 23. März 2019

Gegen den Wind und gegen die Uhr

Am nächsten Morgen werde ich von einem penetranten „Määääääh!“ geweckt. Durch die aufgerollte Jurten-„Tür“ glotzt mit vorwurfsvollem Blick ein Schaf mit schwarzem Kopf und zotteligem Fell. „Natascha!“ erklärt die Nomaden-Mutter und stellt ein Schälchen warme Milch vor die Tür. Unsere feuchten Schuhe und Socken wurden ebenso bereits unterm Ofen hervorgeholt und in die wärmende Sonne vor der Jurte gestellt. Ich fühle mich wie im Paradies und marschiere erstmal mit meiner Zahnbürste zu einem „Metall-Euter“, das an einem Gestell hängt. Fließend warmes Wasser! Wenn man an dem Euter wackelt, fließt das kostbare Nass (welches bestimmt schon von den Kids vom Fluss hochgeschleppt wurde…). Ich bin erfüllt von Dankbarkeit und komme mir vor, wie in einem Luxusurlaub. Passend dazu wird direkt frisch gemolkene Milch mit schwarzem Tee und viel Zucker serviert, um die üblichen trockenen Kekse runterzuspülen. Dann heißt es einpacken, und ich kann gar nicht so schnell gucken, wie die Kinder meine Isomatte eingerollt und den Schlafsack in der Hülle gestopft haben. Zum Dank noch schnell eine Runde auf meinem Rad durch den Schnee. Ein Kind hält den Lenker fest und tritt im Stehen, das andere sitzt auf dem Sattel und stützt sich an den Schultern des Vordermanns ab. Naturtalente! Leider können sich die Kinder hier keine Räder leisten, aber dafür kann natürlich jedes bereits reiten, bevor es laufen kann.


Nachwuchsförderung

Dann heißt es schweren Herzens Abschied nehmen. Es ist bereits 10 Uhr und die Sonne steht hoch am Himmel, doch die Gastfreundschaft und Erschöpfung erschweren einen frühen Aufbruch. Als Gastgeschenk überreichen wir Christians gute Stirnlampe, welche begeistert in Empfang genommen wird. Das Teil wird sicher gute Dienste leisten bei den langen Abenden in der schummerigen Jurte, und allemal besser als die olle Sowjet-Taschenlampe, mit welcher die Kinder in den Topf leuchten, wenn Mama darin rührt. Noch einen kleinen Schein für jedes der Kinder, dann schwingen wir uns unter langem Winken und „Bye-Bye!“-Rufen wieder in die Sättel. Die Erinnerung an die grenzenlose Gastfreundschaft werden wir sicher noch ganz lange mit uns tragen!


Wir haben uns wie Familienmitglieder gefühlt! Danke für die unglaubliche Gastfreundschaft!

EIGENTLICH geht es erstmal nur gaaanz lange tendenziell bergab….Doch neben dem üblichen schlechten Wegverhältnissen werden wir von einem ganz fiesen Gegenwind ausgebremst. So stark, dass ich irgendwann fluchend vom Rad springe, mich am Lenker festklammere und geduckt weiter schiebe. Der Blick fällt auf den Tacho – so 4-8 km/h bei 2% Gefälle. Gibt es etwas Zermürbenderes?


Ich kämpfe mich schiebend durch unendlichen Weiten bei fiesem Gegenwind (nicht auf dem Bild...)

Unser Wahnsinns-Tempo und die späte Startzeit verdichten sich zu der langsam immer unausweichlicheren Tatsache, dass wir den letzten Pass vor der nächsten Stadt wohl nicht mehr im Tageslicht schaffen werden. Wir kauern uns in einer Mulde zusammen, um zu beratschlagen. Ich habe Bedenken, wieder im Dunkeln auf irgendwelchen Pässen herumzuirren. In Sichtweite steht ein verlassen wirkendes Haus. Wir beschließen, dieses zu inspizieren. Die Tür ist offen und die zwei Zimmer leer, bis auf einen KAMIN! Juhu, wir beschließen, schon um fünf Uhr nachmittags die Segel zu streichen und sammeln Yak-Fladen von der Wiese, mit denen wir den Kamin befeuern. Gut so, denn dies wird mit -15 Grad die kälteste Nacht!


Christian heizt ein

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