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  • Anja Marwitz

Silk Road Mountain Race Tag 0

Aktualisiert: 21. März 2019

Zwischen Vorfreude und Nervenzusammenbruch


Das Papa-Mobil (danke!) liefert und am 16.8. mit unseren riesigen Fahrrad-Koffern am Frankfurter Flughafen ab. Wehmütig schaue ich den Rädern hinterher, als diese im Sperrgepäck-Bereich verschwinden. In der Facebook-Gruppe, die dem Austausch der Fahrer im Rennen dient, habe ich in den letzten Tagen schon mehrfache verzweifelte Stories gelesen, von Rädern und Gepäck, was fernab des Besitzers landete… Zwischen unserer geplanten Ankunft und dem Rennstart liegen nur 22 Stunden, also keinerlei Raum für Zwischenfälle. Nach all der Vorbereitung, dem Aufwand und dem Fokus, den wir auf dieses Rennen gelegt haben, wäre es wirklich jammerschade, nicht antreten zu können…


Immer im Einsatz und voll Vaterstolz

Doch man kann Air Astana, der kasachischen Airline, wirklich nur Gutes attestieren: die Fahrradkoffer stehen schon bereit, als wir durch die Einreiseformalitäten durch sind. Wir sammeln sogar noch die verloren gegangenen Bikes zweier Mitfahrer (man hält zusammen) am Flughafen ein und bringen sie an deren Hotel vorbei. Wir sind später fast ein bisschen beleidigt, als die beiden schon nach einigen Tagen das Rennen aufgeben!



In der Garage des Hostels herrscht bereits fleißiges Schrauben und Packen, als wir uns gegen Mittag dazugesellen. Mit sieben Leuten fachsimpeln wir über Ausrüstung und Training, während wir aufgeregt die letzten Vorkehrungen vor dem Rennen treffen, den nahegelegenen Shop nach Proviant plündern und man sich insgeheim über das ein oder andere Set-Up und Vorbereitungen der Konkurrenz Gedanken macht.


Startunterlagen: ein Visum für's chinesische Grenzgebiet

Zum Glück stellen wir fest, dass sowohl unser Material als auch unser ganzes Training, besonders das Höhentraining, wirklich eine gute Vorbereitungen darstellen und wir damit nicht hinter den anderen, teilweise weitaus erfahreneren Startern, zurückstehen müssen. Ungläubig schütteln wir die Köpfe angesichts mancher überladenen Räder, ein Rad hat nur Felgenbremsen, ein anderes schmale 35er Reifen, der nächste kommt mit Gepäckträger und Taschen daher. Wir zweifeln, ob diese Fahrer es schaffen werden, aber sprechen uns gegenseitig Mut zu und geben gegenseitig Tipps und Erfahrungen weiter. Die Bikepacking-Community hält zusammen, alle haben Ehrfurcht vor dem Rennen, keiner weiß so recht, was auf uns zukommt. Klar, 1720km und 27.000 Höhenmeter. Ich halte mich bewusst mit Zeitangaben zurück, erstmal schauen, wie es läuft… Im Hinterkopf habe ich natürlich 10-12 Tage – 13 ½ wären das Maximum. Am Ende wird jeder seine Marschtabellen schon nach kürzester Zeit über den Haufen geworfen haben und nur noch um’s Durchkommen kämpfen.

Aber davon ahnen wir noch nichts, als wir uns mit Hundert Fahrern und Huntertausenden an Materialwerten auf dem Rasen eines nahegelegenen Hostels zum Check-In und Briefing einfinden und fröhlich Herumflaxen. Der Organisator des Rennens, der Brite Nelson Trees, liest nochmal kurz aus dem Handbuch vor: Jeder fährt in eigener Verantwortung, gegenseitige Hilfe ist nicht erlaubt, es sei denn, man startet in der Paar-Wertung, wo man sich aushelfen darf (woran ich Christian noch erinnern werde, als ich diesen nötige, mein Rad eine ewig lange 35%-Rampe hochzuschieben…). Ansonsten dürfe man die Gastfreundschaft der Einheimischen annehmen, solange diese auf einen zukämen. Auch darüber würde ich mich später noch sehr freuen.


Startklar vor einem der Kontrollfahrzeuge

Aber zunächst einmal geht es früh ins Bett, die innere Uhr ist nach dem Flug und der Zeitverschiebung ohnehin völlig durcheinander. Guter Dinge treffen wir dann am Morgen zusammen mit 100 mehr oder weniger nervösen, mehr oder weniger gut vorbereiteten Mitstreitern am Botanischen Garten (eine mit Unkraut überwucherte Wiese mit Mauer drumrum) ein. Ein Gruppenfoto, und auf ins große Abenteuer!



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