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  • Anja Marwitz

Klippenlauf 2019

Über neun Klippen musst Du geh'n...


Die maximale Wettkampfzeit optimal ausgenutzt und für nur 14 Euro Startgebühr 3 Stunden schönsten Laufspaß gekriegt :-)

Gestern war es wieder soweit! Der Klippenlauf hat sich schnell zum absoluten Frühjahrsklassiker unter den trail-lastigen Laufveranstaltungen im Osnabrücker Land entwickelt! So waren im November bereits nach 75 Minuten alle 1300 Startplätze ausverkauft! Da ich zum Zeitpunkt der Registrierung arbeiten musste, ging ich leider leer aus... Und da mich im Januar und Februar immer wieder eine hartnäckige Erkältung im Griff hielt, war ich auch gar nicht mehr so traurig darüber, denn an Laufen war wochenlang nicht zu denken... Doch als nun endlich das Wetter schöner wurde und meine Erkältung endgültig vertrieb, juckte es mir schon in den Zehenspitzen! Da kam letzte Woche der Startplatz einer Vereinkollegin gerade recht! Diese war leider auch krank geworden und nicht mehr rechtzeitig fit, sodass ich dankbar einspringen konnte.

Und so ging es am gestrigen Samstag erstmal standesgemäß mit dem Rennrad die 25 km zum Start in Ibbenbüren. Dank der hervorragenden Organisation war die Ummeldung schnell erledigt. Fahrradhelm und Wechselklamotten in der Sporthalle deponiert und ab zur Startlinie!

Dort wartete schon aufgeregt meine Freundin Christiane. Gegenseitig unterbaten wir uns mit der Tiefstapelei bezüglich unseres Trainingszustandes. Endlich fiel der Startschuss und somit löste sich auch die Spannung. Wir hatten beide die Strecke schon 2 mal gelaufen und wussten, was auf uns zukommt: 24,7 km durch den Teutoburger Wald gespickt mit 500 Höhenmetern. Wir ließen es erstmal gemütlich angehen..!

Als ich mich dann jedoch den ersten langen Anstieg im Wanderschritt hochkämpfte und ein paar Zuschauer riefen: "Da kommen die Besenläufer!" warf ich einen bangen Blick nach hinten: Tatsache, außer 2 älteren Herren, die sich auch noch auf Überholkurs zu mir befanden, gähnte nur noch der leere Steilhang hinter mir. Schweißperlen rinnen mir von der Stirn, als ich eine Schippe drauflege und zumindest versuche, an dem bärtigen Ü65-Jährigen dranzubleiben, der laut eigener Aussage bisher jeden Klippenlauf gemeistert hat (dieser findet übrigens erst im 8. Jahr statt, was die Aussage zumindest etwas relativiert ;-)

Endlich geht es in die erste "Abfahrt" und meine etwas schweren Beine kommen langsam ins Rollen. Juhuu! Die freundlichen Helfer rufen begeistert meinen Namen und lotsen mich um eine Steilkurve in einen Singletrail. Ich schlängel mich vorsichtig an den Mitläufern vorbei, die allesamt langsamer bergab laufen als ich. Doch irgendwann ist der Spaß vorbei und der nächste Anstieg trifft mich wie eine Wand. Nun ziehen alle wieder an mir vorbei. Ich helfe noch kurz einer Holländerin, die gestolpert ist und sich den Knöchel verdreht und das Knie angeschlagen hat. Obwohl es so aussah, dass das Rennen definitiv schon nach 5 km für sie vorbei sein würde, schafft sie es tatsächlich ins Ziel! Zusammen mit ihren 2 Freundinnen singen sie fröhlich Schlagerlieder, deren Text ich zum Glück nicht verstehe, dass es nur so durch den Wald schallt! Bei so einer Motivation kann einen auch ein umgeknickter Knöchel nicht aufhalten!


Dieses Foto zeigt die ungeschönte Wahrheit meiner nicht vorhandenen Dynamik am Berg - ich bin die 4. von rechts, mit dem hochroten Kopf :-)

Oben angekommen werden wir von einer Samba-Trommelgruppe empfangen! Noch habe ich genug Elan in den Beinen für eine kleine Tanzeinlage, die von den Zuschauern begeistert quittiert wird. Nach einer kleinen Stärkung am Verpflegungsstand trabe ich fröhlich eine der wenigen Flachpassagen über den Hermannsweg entlang und freue mich des Läufer-Lebens!

Insgesamt gibt es 9 Klippen zu überwinden, und jede wird mit einem "Warnschild" angekündigt, so wie man es vom Rennradfahren in den französischen Alpen kennt: Länge des Anstiegs, maximale Steigung und gesamte Höhendifferenz. Nun ist es wohl eine Frage des Charakters, ob man das als Ansporn oder Abschreckung sieht, nach dem Motto: "Ich will es gar nicht wissen!" Da ich ohne große Erwartungen an die Sache rangegangen bin, nehme ich die Schilder als Signal, erstmal eine Banane oder einen Riegel aus meinem Laufrucksack zu fischen, denn es ist klar, dass ich heute alle Klippen gemächlich im Wanderschritt gehe... Und so geht das muntere überholt Werden bergauf und "Achtung ich komm' von hinten!"-Rufen bergab weiter. Schon ist die Halbzeit-Kehre erreicht und die Verpflegung bietet sogar Cola! Das kommt mir gerade recht, denn mein Magen fühlt sich etwas unzufrieden an. Es herrschen fast 20 Grad, was nach den langen kalten Temparaturen schon eine Umstellung ist und auch einigen Mitläufern, allen voran Christiane, zu schaffen macht. Nach der zweiten Klippe ist sie zurückgefallen, ihr ist es einfach zu warm, und sie macht gaaanz piano.

Auf mich hat die Cola wie immer im Wettkampf eine gute Wirkung. Fröhlich sporne ich mich mit meinen Mitläufern gegenseitig an: "Die Hälfte haben wir!" So langsam scheint mein Körper sich daran zu erinnern, was er zu tun hat, und ich komme immer besser ins Rennen. Nicht, dass das hier im Kampf um die letzten 20 Plätze irgendwie von Bedeutung wäre, doch ich bin froh, dass ich diesen herrlichen Lauf genießen kann. Das Wetter ist wirklich perfekt und die Bedingungen könnten nicht besser sein! Die Fans am Streckenrand feuern auch uns als Nachzügler begeistert an und jeder Streckenposten versichert mir, dass ich phantastisch aussehe und es nicht mehr weit ist!

Beides glaube ich natürlich gerne! Oben auf der letzten Klippe gibt es dann noch richtig Party-Mucke, Schnaps und Schokolade! Ich entscheide mich selbstverständlich für Letzteres und donner dann mit vollen Hamster-Backen die letzte Abfahrt hinab, dass die Mitläufer nur so zur Seite springen :-)


Ich setze auf der Innenbahn zum Überholen an, denn jetzt geht's aaaaabwäääärts!

Von meinen früheren Starts hier ist mir allerdings noch das letzte Stück ungut in Erinnerung: man kann das Ziel schon sehen, muss dann aber noch einen fiesen Schlenker in die andere Richtung laufen, teilweise auf Asphalt, über eine Autobahnbrücke...es zieht sich! Ich nutze die Gelegenheit, um kurz mit einem älteren Herren zu schnacken, den ich nun das 5. und letzte Mal überhole. Ich lobe ihn für seine Konstanz - egal ob es auf- oder abwärts geht, der Mann läuft wie eine Nähmaschine! Er berichtet, dass er nächstes Wochenende für 72 km durch die Vogesen und im Sommer für den Südtirol-Marathon (Teile davon bin ich im Winter mit Schneeschuhen abgewandert...) gemeldet ist! Hut ab, Laufen hält wirklich jung!

An dieser Stelle sei nochmal meine austrainierte Mutter erwähnt, die den Klippenlauf vor 2 Jahren als älteste Starterin mit 73 Jahren lief und sich gerade auf ihren ersten Marathon vorbereitet! Hoffentlich bleibe ich auch so lange so sportlich...

Irgendwie kriege ich so die letzten Kilometer rum und kann sogar noch den ein oder anderen überholen - einer der Vorteile, wenn man die Sache am Anfang gemütlich angehen lässt und am Ende noch genug Kraft für einen kleinen Endspurt hat!



Im Zieleinlauf warten schon Anke und Christian, die eine Radtour hierher gemacht haben - Abklatschen, Arme hochreißen, geschafft! 3 Stunden sind maximal erlaubt für die offizielle Wertung, mit meinen 2:52 (Platz 604 von 635 Finishern) bin ich angesichts des wirklich dürftigen Trainings im Vorfeld bestens zufrieden. Nach 3:02 ist dann auch Christiane da und wird begeistert von uns empfangen! Sie hat sich trotz eines richtig harten Tags eisern durchgekämpft, Hut ab! Die Arme ist völlig fertig, aber zurecht stolz :-)

Zur Belohnung haben wir einen Tisch im tollen Restaurant "Ledigs Anna" in Ibbenbüren bestellt. Die riesigen Burger (auch in vegetarisch) sind genau die richtige Belohnung nach dieser Leistung. Bei dem ein oder anderen Spezialbier werden schon Pläne für die nächsten Rennen geschmiedet:

Flandernrundfahrt nächstes Wochenende, dann Italy Divide ab 25. April und im Mai dann der Rennsteiglauf! Volles Programm, aber nach dem Klippenlauf habe ich wieder Hoffnung, dass ich mein krankheitsbedingtes Trainingsdefizit noch rechtzeitig ausgleichen kann.

Vielen Dank all den tollen Helfern und dem super Team vom Klippenlauf, eine rundum gelungene Veranstaltung und ein wunderbarer Sporttag!


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