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  • Anja Marwitz

Tag 7 Around Norway

Bergiges Bergen


Mein Holzhaus, mein Schiff, mein Rennrad

Nachdem wir pünktlich mit Öffnung des Supermarktes Stellung auf dem Picknickplatz davor bezogen haben (fast alle Läden haben hier ein kleines Café/heiße Theke/Picknickarea angeschlossen), wird erstmal im Live-Tracking die Lage sondiert. Wir verschlucken uns fast an unserem Eiskaffee, als wir sehen, dass Adonis und Zeus, unsere griechische Konkurrenz, bereits 30 km vorweg gefahren ist. So haben wir nicht gewettet! Schnell verstauen wir unsere üblichen Kilo-Vorräte an Daim und Marabou-Schokolade in den Fahrradtaschen und auf geht’s nach Bergen!


Doch was auf der Karte nach gemütlichen 120km leicht wellig aussah, also ein kleiner Prolog vorm zweiten Frühstück, zieht sich wie Kaugummi. Zunächst noch die übliche idyllische Bilderbuchlandschaft. Von der wir allerdings mittlerweile so verwöhnt sind, dass uns bald ein bisschen, naja, langweilig wird. Doch zu unserer austrainierten mentalen Stärke gehört natürlich auch, einer gewissen Monotonie mit gewitztem Einfallsreichtum zu begegnen. Und so wird dann spontan das „Hund, Katze, Elch“-Spiel erfunden. Regel: Wer zuerst eins der namensgebenden Tiere sieht (oder hört), ruft einfach „Hund!“ „Katze!“ oder, in Ermangelung mitspielender Elche, „Mährobotor!“. Ich sag Euch, auch Tage nach dem Rennen kann ich keinem Hund mehr begegnen, ohne sofort aus voller Kehle HUND! zu brüllen! (Außer einer lächerlichen Tageswertung ging natürlich alles, inklusive Gesamtsieg, klar an mich, womit ich mir ein spezielles Elchtrikot verdient habe.)


Der Verkehr nimmt Richtung Bergen ordentlich zu, bzw. kann man das erste Mal seit Oslo überhaupt von Verkehr sprechen. Die Autofahrer sind aber auch dann noch sehr rücksichtsvoll, als wir auf einer kurvigen vielbefahrenen Straße quasi den ganzen Verkehr aufhalten, als wir uns mal wieder einen Berg hochkämpfen. Diese Stadt hat ihren Namen echt verdient. Vielleicht sollte man noch einen Doppelnamen dranhängen, Bergen im und am Regen oder so, denn schließlich handelt es sich hier um die Stadt mit dem meisten Niederschlag in ganz Europa. Und obwohl den ganzen Tag die Sonne schien, fängt es an zu nieseln, als wir endlich in die Stadt einrollen. Also schnell in einem indischen Take-Away-Restaurant verschanzt und dort 1a Kalorien aufgefüllt. 40 Euro für zwei einfache vegetarische Gerichte, ohne Getränke und aus der Styropor-Schüssel. Aber lecker. Und in jedem anderen Restaurant hier wären wir nochmal das Doppelte losgeworden. Zum Glück fällt der Schwund im Portemonnaie gar nicht weiter auf, denn in ganz Norwegen zahlt man nur und ausschließlich mit Karte. Wir haben noch nicht mal eine müde Krone in Form von Bargeld dabei. Das klappt überall einfach exzellent und mit einem schnellen „Beep!“ ist man überall sein Geld los. Dafür gibt es für die zahlreichen Cola-/Powerade-/Eiskaffee-Flaschen, die bei uns so im Laufe des Tages durchgehen, immer 2 oder 3 Kronen Pfand. Diese sammelt Christian in seiner Riegel-Tasche, und wenn sich die Münzen nicht gerade bei einer Abfahrt mit Schlagloch-Kontakt verflüchtigen, reicht es sogar für die ein oder andere 5-Minuten heiße Dusche beim nächsten Campingplatz :-)


Pure Effizienz: Power-Nap und Kaffeetrinken und Sonnenbaden gleichzeitig

Nach dieser kleinen Stippvisite quälen wir uns wieder aus der Stadt raus. Inzwischen ist es Abend und kaum noch Verkehr, doch der Radweg windet sich entlang der großen Einfallstraße hoch und runter und fährt sich so unrhythmisch wie ein Kriterium (think 100 Kilometer auf einem 2,5 km Kurs durch eine enge Innenstadt). Unser Ziel für heute ist die erste von drei Fähren, die es zu erwischen gilt. Dabei ist es eigentlich egal, ob wir heute die letzte oder morgen die erste nehmen und kurz davor campen. Aber irgendwie sind wir trotzdem von der Vorstellung angefixt, noch die letzte Fähre um 23:20 Uhr zu kriegen. Endlich mal ein Ziel! Vor allem, da sich hinter Bergen die Hund/Katze/Elch-Dichte deutlich reduziert hat… Allerdings kassiere ich nochmal 4 Sonderpunkte für ein Rudel Rothirsche, ha! Und gebe meinem Rad Knife die Sporen, während Christian seine liebe Not hat, meinen Windschatten zu halten. 2 Minuten vor Abfahrt rollen wir strahlend auf die Fähre, wobei wir die letzten welligen 30 km in einer Stunde runtergespult haben. Der Fährmann gratuliert uns zurecht!


Erschöpft aber glücklich erwischen wir die letzte Fähre um kurz vor Mitternacht - Christian zückt den Mitternachtssnack in Form einer Tüte Chips, Powerfood ;-)

Wir schippern durch den Sonnenuntergang, vorbei an ein paar Ölplattformen und sind kurz darauf auf der anderen Seite. Dort empfängt uns das warme Licht des Wartehäuschens. Pikobello sauber, Fußbodenheizung, nebenan eine große Toilette mit warmen Wasser – Bikepackerherz, was willst du mehr? Wir rollen unsere Matten in einer Ecke aus, hängen die verschwitzten Klamotten über die Räder, und sind auch schon weggeschlummert. Natürlich nicht, ohne vorher die geschundenen Hinterteile mit einer großzügigen Portion Babycreme zu versorgen. Man will ja schließlich geschmeidig bleiben.


Luxus-Unterkunft im Wartehäuschen der Fähre: inklusive Toilette und Fahrradstellplatz, TOP!

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